Finnland in Sachsen-Anhalt

Komm mit nach Finnland… in Quedlinburg

Mitte November 2017 hat in der Innenstadt von Quedlinburg ein kleiner Laden eröffnet, Little Finland. Der Laden ist in der Bockstraße 7 zu finden. Wir haben uns mit Mari Raatikainen, der Inhaberin, im Laden zu einem kleinen Interview getroffen.

(Foto: Mari Raatikainen, Little Finland)


DFG: Du bist Mari und kommst eigentlich nicht aus Quedlinburg, sondern?

MARI RAATIKAINEN: Wir wohnen in Blankenburg. Aber ich komme aus Finnland

DFG: Wo hast du vorher in Finnland gewohnt, in welcher Stadt?

MARI RAATIKAINEN: Die letzten 6 Jahre habe ich in Kerava gewohnt und gearbeitet bei der Stadt Kerava.

DFG: Wie bist du auf die Idee gekommen, nach Sachsen-Anhalt zu ziehen?

MARI RAATIKAINEN: Ich habe als Planerin-Koordinatorin gearbeitet. Aschersleben und Kerava sind Partnerstädte. Und wir hatten ein internationales Projekt, welches ich gemanagt habe. Wir waren mit der internationalen Gruppe hier im Harz. Und dann am letzten Abend fuhren wir nach Blankenburg auf den Weihnachtsmarkt im Großen Schloss. Dort habe ich einen netten deutschen Ingenieur getroffen. (lacht) Das ist die Geschichte.

DFG: Und dann bist du kurze Zeit später nach Sachsen-Anhalt gezogen?

MARI RAATIKAINEN: Nach einem Jahr bin ich dann immer öfter zeitweise nach Blankenburg gekommen. Ich hatte einen Studienurlaub von meinem Job vereinbart. Währenddessen studierte ich Pädagogik für Erwachsene. Dann hatten wir diese Business-Idee und ich änderte mein Studienfach zu Businessmanagement.

DFG: Wann kam die Idee, einen Laden aufzumachen?

MARI RAATIKAINEN: Sehr früh, weil wir viele Märkte in den Städten Sachsen-Anhalts besucht haben und gemerkt haben, dass die Deutschen Skandinavien mögen und bei Finnland sehr neugierig sind. Besonders auf Weihnachtsmärkten gibt es viele finnische Hütten und Dörfer. Und es gibt noch gar keinen Finnlandladen in Sachsen-Anhalt. Dann dachte ich, die Idee könnte vielleicht klappen.

DFG: Warum habt ihr den Laden in Quedlinburg aufgemacht und nicht in Blankenburg?

MARI RAATIKAINEN: Quedlinburg hat als Weltkulturerbestadt viel Charakter, ist malerisch und deshalb sehr beliebt bei Touristen. Zuerst hatten wir an Wernigerode gedacht und uns dort ein paar Läden angesehen. Aber dort waren die Mieten sehr teuer. Dann haben wir diesen tollen Laden hier in einer schönen Lage gefunden.

DFG: Stand der Laden vorher leer?

MARI RAATIKAINEN: Ja, er war leer.

DFG: Suchst du selber aus, welche Produkte du verkaufst? Oder gibt es Kontakte zu Firmen in Finnland, die dir unterschiedliche Produkte anbieten? Und wie kommen die Waren von Finnland hierher?

MARI RAATIKAINEN: Ich habe direkten Kontakt mit den Herstellern. Manchmal gibt es auch interessante Kundenwünsche, die ich gern erfüllen möchte. Ich habe immer mit den Firmen Kontakt aufgenommen und viele Hersteller haben mir gern kleine Mengen ihrer Produkte zum Probieren und Testen geschickt.

DFG: Kennst du die Produkte schon von früher, von zu Hause? Oder passiert es spontan: ein Produkt sieht gut aus und du überlegst dann, es in deinen Laden aufzunehmen?

MARI RAATIKAINEN: Beides, denn ich hatte das letzte Jahr viel Vorbereitungszeit. Ein Jahr habe ich im Internet recherchiert. Mein großer Wunsch war es, Pentik anbieten zu können. Und jetzt bin ich der erste Laden in Deutschland, der Pentik-Produkte verkauft. Darauf bin ich stolz.

DFG: Hast du neue Ideen, was du in deinem Laden verkaufen willst? Oder Pläne für Veranstaltungen?

MARI RAATIKAINEN: Ja, (lacht) viele Ideen aber man kann natürlich nicht alles sofort umsetzen. Z.B. haben einige Läden Moltebeerenkonfitüre und ich hoffe, dass ich sie auch bald anbieten kann. Viele Kunden fragen danach. Und natürlich möchte ich auch Veranstaltungen machen, einen finnischen Abend und ähnliches. Und mal sehen, was noch so kommt.

DFG: Du hast gesagt, du hast Pädagogik für Erwachsene studiert. In Sachsen-Anhalt gibt es zurzeit keine Finnischkurse an der Volkshochschule, leider schon seit ein paar Jahren nicht. In Halle sind die letzten Kurse wegen zu wenigen Teilnehmern nie zu Stande gekommen. Könntest du dir vorstellen, mit der Volkshochschule hier Kontakt aufzunehmen und einen Finnischkurs anzubieten?

MARI RAATIKAINEN: Ja. Gute Idee. Viele Menschen planen eine Reise nach Finnland. So dass man Dinge wie Guten Tag und Danke lehren kann.

DFG: Du hast nicht nur Dekorationsartikel, sondern auch Produkte für Hunde oder Saunaartikel. Warum dieser Mix?

MARI RAATIKAINEN: Zum Testen und Herantasten. Und ich finde viele verschiedene Sachen interessant. Es soll für jeden etwas bei mir im Laden geben. Hundegeschirre wollte ich, weil sie reflektieren, weich sind und ein schönes Design haben. Außerdem sind wir beide Hundenarren - sie heißt Emma.

DFG: Nach einem Jahr setzt du dich also in deinen Laden und überlegst, welche Produkte gut verkauft wurden und welche weniger häufig?

MARI RAATIKAINEN: Ja genau.

DFG: Mir ist aufgefallen, dass du oft umdekorierst und sehr aktiv bist auf Facebook. Hat das dazu geführt, dass mehr Kunden in den Laden kommen?

MARI RAATIKAINEN: Ja. Ja es gibt Kunden, die sagen, dass sie Dinge, die ich verkaufe, auf Facebook oder Instagram gesehen haben.

DFG: Es ist also wichtig, im Internet aktiv zu sein, auch wenn die eigene Shopseite noch nicht aktiv ist.

MARI RAATIKAINEN: Ja, auf jeden Fall. Und sehr bald ist unsere Seite ja auch verfügbar.

DFG: Mir ist auch aufgefallen, dass du deine Öffnungszeiten geändert hast und im Moment erst ab 14 Uhr öffnest. Sind am Vormittag nicht so viele Kunden gekommen?

MARI RAATIKAINEN: Ja, im Januar kommen nicht so viele. Und so habe ich mehr Zeit, den Onlineshop fertigzustellen. Wir müssen noch viel übersetzen. Letzte Nacht haben wir zu zweit bis um zwei Uhr daran gearbeitet. Wir müssen vom Finnischen ins Deutsche und ins Englische übersetzen, weil der Onlineshop Deutsch und Englisch sein soll. Und wir müssen die Inhaltsstoffe der Lebensmittel übersetzen und dann auf jedes einzelne Produkt als Etikett aufkleben. Die Übersetzungen müssen wir aber vorher noch an die Hersteller schicken. Sie kontrollieren die Texte und geben sie frei. Das nimmt alles viel Zeit in Anspruch.

DFG: Erst wenn diese Arbeiten erledigt sind, kann der Shop online gehen?

MARI RAATIKAINEN: Ja.

DFG: Unterstützen euch die Hersteller, indem Sie euch Etiketten schicken, die vielleicht schon andere Firmen oder Läden haben übersetzen müssen?

MARI RAATIKAINEN: Ja, von ein paar Fazer-Schokoladen gibt es diese Etiketten, aber von den meisten Produkten noch nicht.

Eine Kundin betritt den Laden. Schnell wird klar, dass die Quedlinburger bereits herausgefunden haben, wo es außergewöhnliche Schokolade und neue, interessante Dinge zu kaufen gibt.

MARI RAATIKAINEN: Die Fischschokolade ist unglaublich beliebt. Gestern hat ein Mann zwei Tafeln davon gekauft. Vor Weihnachten haben viele Frauen Rentier- und Fischschokolade als Geschenk für ihre Männer gekauft.

DFG: Hast du diese Schokolade gekostet, bevor du sie in den Laden aufgenommen hast?

MARI RAATIKAINEN: Ja. Sonst ist es auch schwer, sie zu verkaufen. Bei einigen kleinen und besonderen Herstellern habe ich vorher gefragt, ob ich Probepackungen zum Testen bekommen kann. Von sehr vielen habe ich dann auch kleine Pakete bekommen. Erst nach dem Testen habe ich größere Mengen bestellt.

DFG: Wie auf den finnischen Honigständen auf den Weihnachtsmärkten kann man sich bei dir durch die verschiedenen Schokoladen und auch viele andere Spezialitäten testen.
Was ist dein Ziel für die nächsten ein bis zwei Jahre für den Laden oder auch für dich selbst?

MARI RAATIKAINEN: Dass der Laden gut läuft, auch online. Dass ich vielleicht irgendwann jemanden zusammen mit mir Vollzeit einstellen kann. Es wäre schön, wenn mein Partner und ich einmal von dem Laden leben können. Ich hoffe, dass ich schon in diesem Jahr eine Teilzeitkraft einstellen kann.

DFG: Vielen Dank für das Interview.

Infos Little Finland:

Little Finland

Bockstraße 7

06484 Quedlinburg

www.littlefinland.de

…auch auf Facebook und Instagram zu finden.